MAL REINSCHAUEN


Ins Pö ging man, egal, wer spielte. Viele Bands kannte man sowieso nicht und ließ sich einfach überraschen. Wenn bekannte Gruppen auftraten, kam man meistens sowieso nicht rein. Es sei denn, man kannte den Wirt sehr gut, der einen durch das private Treppenhaus und den Hintereingang in die heiligen Hallen ließ. Das klappte allerdings nicht, wenn es so voll war, dass selbst er nicht mehr vom Tresen bis zur Hintertür durchkam. Aber zum Glück waren die Wände dünn und man hörte auch draußen ganz gut.

 

Ähnlich ist es hier. Man kann schon mal Probelesen, aber das volle Programm gibt es nur mit Eintritt ;-)


Nah am Star


Ist Udo da?

Foto: Jürgen Lische
Foto: Jürgen Lische

„Gehört das Pö eigentlich Udo?“ oder „Warum ist Udo heute nicht da?“ Das hörten wir sehr oft, konnten es aber meistens aufklären. Manche waren aber auch schwer zu überzeugen und glaubten uns nicht. Am hartnäckigsten hielten sich diese Gerüchte in der damaligen DDR.

 

Zu unserem Erstaunen schaffte es ab und zu mal ein Lindenberg-Fan, uns aus Wismar anzurufen. Erst mal musste ich dann versichern, dass Udo heute nicht da ist und auch nicht mehr kommen würde. Daraufhin fragte er schüchtern, wer denn heute Nacht auf der Bühne stehe. Dann hielt ich den Hörer in Richtung Bühne und wurde nach fünf Minuten mit Danksagungen überschüttet. 

 

Ich bat ihn, mir seine Adresse zu geben und versprach das Pö-Programm monatlich zu schicken.


Dexter ist nicht da

........Das ziemlich abgewrackte Hotel in dem er wohnte, hatte den Vorteil, dass man eigentlich zu Fuß zum Lehmweg kommen konnte. Ich klopfte zweimal an die Tür und ging rein. Es war zwanzig nach neun.
Dexter schlief. Nachdem ich ein paar Mal seinen Namen gerufen hatte, kam er ganz langsam hoch, aber nur, um gleich wieder auf dem Nachttisch zusammenzusacken. Den Grund erkannte ich, als er geschickt durch die Nase ein weißes Pulver verschwinden ließ. Was immer das war! Dann steckte er sich den kümmerlichen Rest eines Joints an, der in einem Aschenbecher auf dem Nachtisch lag. Er musterte mich von oben bis unten und murmelte schließlich: “Wo bin ich? Und wer bist du?“

Eigentlich sollte er mich von früheren Auftritten her kennen. Ich erklärte ihm kurz die für ihn wichtigsten Fakten. Dexter kam nach einiger Zeit und gründlicher Überlegung zu der Einsicht: „Wenn das so ist, dann sollte ich mir wohl besser was anziehen.“ Gute Idee Dexter!

Er stand auf, trat einen Schritt auf mich zu, umarmte mich in einer Mischung von umarmen und abstützen. „Du musst mir helfen.“ Ich zog mit einer freien Hand seine Hose zu mir heran. Dann bemühten wir uns beide ihn, in Monty Python-artigen Tanzbewegungen, irgendwie in diese Hose zu bekommen. Wir hüpften durch das ganze Zimmer. Dexter immer halb auf meinen Schultern liegend. Ich kam mir vor wie ein Zwerg. Dexter Gordon war fast zwei Meter groß, man nannte ihn ja nicht umsonst „Long Tall Dex“. Nachdem wir dann das rotweiß karierte Hemd, das an ein Küchenhandtuch erinnerte, irgendwie am Körper befestigt hatten, konnten wir eigentlich los.

„Wo ist meine Weste?“ Ich durchwühlte seinen Koffer auf der Suche nach dem Gewünschten, als Dexter begann sich einen neuen Joint zu bauen.
Es war zehn vor zehn.........




Die Rache der Atomindustrie

Die Band spielte gerade die letzte Zugabe „With a Little Help from my Friends“ in der Cockerfassung, als das Telefon klingelte. „Hallo, Onkel Pö. Wir sind gerade mit Joe Cocker unterwegs und er will jetzt unbedingt noch irgendwo auftreten. Habt ihr noch 'ne Band da?“ ........

 

Fünf Minuten später gingen auf einen Schlag das Licht und die Anlagen im ganzen Laden aus. Stromausfall!........

 

Drei Biere und drei Pineau später, wollte Cocker auch ohne Strom auf die Bühne......

 

Wenn ich je Gänsehaut gehabt habe! Einer meiner Helden aus der Hippiezeit sang ohne Mikro, ohne Gage und fast ohne Publikum......

 

Am nächsten Abend kam ein Freund vorbei, der in der Nähe des Pös wohnte. Er kam zum Tresen und erzählte mir, dass er letzte Nacht, halb drei, hier noch mal den Kopf durch die Tür gesteckt hatte, aber gleich wieder umgedreht sei, da der ganze Laden fast stockdunkel war. Merkwürdig fand er dann noch, dass dort ein Typ auf der Bühne stand, der ein bisschen wie Joe Cocker aussah und auch so sang....... 

 

 


Don't call me Paul

Es war der 15. Februar 1981 und die Plattenfirma ließ einige kleine Handzettel und Poster drucken. Kein Mensch kannte diese irische Band mit dem komischen Namen. Sie waren die Gewinner einer Talentshow, bekamen 500 Pfund und konnten ihre erste Platte veröffentlichen. Ich blieb zum Soundcheck. Als sie gegen 19 Uhr fertig waren, kam der Sänger auf mich zu und sagte mir, ich solle ihn nicht Paul nennen, sondern Bono.